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Gestatten: Lavendel
Heutzutage erzählt ja fast jeder aus seinem Leben, beschreibt seinen Werdegang,- und so möchte ich auch einmal von mir erzählen.
Zuerst muss ich mich aber vorstellen: mein Name ist Lavandula… Lavendel könnt ihr mich auch nennen. Mit vollständigem Namen heiße ich Lavandula angustifolia ‚Hidcote Blue‘, und ich bin in der Staudengärtnerei Augustin in Effeltrich aufgewachsen. Doch alles der Reihe nach.
Bei den Stauden und Halbsträuchern, denn streng genommen gehöre ich zu letzteren, nimmt alles seinen Anfang mit dem Steckling. Von der Mutterpflanze, die ganz identisch mit mir ist, wurden eines Tages viele kleine Triebspitzen abgeschnitten, zwei Gärtnerinnen kamen, ausgerüstet mit Schalen, Stecklingsscheren, Etiketten und Bleistift und schnitten ca. 3 cm lange frische Triebspitzen von der Topfpflanze ab. Ich landete mit vielen anderen, die genauso aussahen wie ich, in einer schwarzen Schale und wurde zum Frischhalten gleich mit Wasser überbraust. Die Gärtner schnitten und schnitten, ich hörte, wie sie sich unterhielten und sagten, es würden ca. 30 mal 150 gebraucht,- was das wohl bedeutet, fragte ich mich.
Im Arbeitsgewächshaus waren schon Vermehrungsplatten, sogenannte150er, mit spezieller Stecklingserde gefüllt worden. Das Substrat für uns Stecklinge darf nicht zu nährstoffreich sein, denn wir haben ja noch keine Wurzeln und nehmen also noch keine Nährstoffe auf, auch brauchen die jungen Würzelchen viel Luft, deshalb enthält unser Substrat Perlite, das sieht so aus wie Styropor, ist aber aus Vulkangestein gemacht.
Zusammen mit uns wurden noch zwei andere Lavendel-Sorten an diesem Tag geschnitten, aber nicht so viele, denn wir, die ‚Hidcotes‘, sind die beliebtesten von ca. 25 Sorten in der Gärtnerei,- von uns werden also die meisten gebraucht. Die Gärtner müssen nun aufpassen, dass da nichts durcheinander kommt, denn ein ‚Hidcote‘ muss auch einer sein, also dunkelblau blühen und kompakt wachsen. Jeder von uns wird nun in so ein kleines Töpfchen gesteckt, das geht ganz schnell, denn die Gärtner stecken immer zwei kleine Stecklinge gleichzeitig, im Nu ist eine Platte voll, wir stehen so dicht an dicht. Jetzt noch einmal angießen, vorsichtig, sonst werden wir wieder aus unseren Töpfchen herausgespült oder fallen um, und dann sind wir dem Tode geweiht, wenn das keiner merkt.
Im Vermehrungshaus kommen die 150er Platten dann auf einen Tisch. Wir Lavendel bekommen einen Extratisch, denn wir sind so viele, und wie ich aus den Gesprächen der Gärtner erfuhr, brauchen wir auch etwas länger zum Bewurzeln als so manche andere Stecklinge. Über uns ist eine Folie, darunter wird es nun ganz schön warm und total feucht. So können wir nicht vertrocknen, denn wir haben ja noch keine Wurzeln.
So vergeht die Zeit, regelmäßig schauen Gärtner unter die Folie, ob wir etwas brauchen, Wasser oder vielleicht Hilfe. Denn die Trauermücken sind schon unterwegs, lästige Biester, die sich hier im Feuchtwarmen total wohlfühlen und ihre Eier gerne in die feuchte Stecklingserde legen, die Larven, die dann ausschlüpfen, können unsere gerade erst frisch entwickelten Wurzeln wieder vernichten, dann sterben wir langsam, aber sicher. Ja, solche Geschichten werden erzählt unterm Folientunnel… aber zum Glück wurden hier bei uns gleich zu Beginn Nematoden ausgebracht, das sind so nützliche Dingerchen, die uns vor den Trauermückenlarven beschützen.
Die Gärtner, die nach uns sehen, sind ganz zufrieden und da wir schon ein paar Wurzeln haben, wird jetzt der Folientunnel etwas gelüftet, wir sollen abgehärtet werden.
Dann, nach ca. 4 oder 6 Wochen, gibt es ein fürchterliches Geratter in unserem beschaulichen Kindergarten, ein Wagen mit vielen Brettern wird in das Gewächshaus gefahren, und wir werden von der Folie, in der wir uns inzwischen recht kräftig verwurzelt haben, losgerissen, etwas gestutzt und auf den Wagen geladen, es geht zum Topfen. Das war ein Schreck, aber nun geht es endlich an die frische Luft.
Zuerst werden wir nun aber zum Topfen vorbereitet, d.h. die Gärtner drücken uns vorsichtig aus der 150er Vermehrungsplatte heraus, dann werden wir zu unserem Topfquartier gefahren. Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor, genau… hier in der Nähe stehen doch noch die Lavendelpflanzen, von denen wir vor vielen Wochen abgeschnitten wurden. Die Plätze sind schon recht lückig, viele von den „alten“ Pflanzen sind schon verkauft. Wir beziehen also ein frisches Quartier, sonnig ist es hier, wenn nur nicht dieses riesige Ungetüm hier stünde. Ich höre, dass es eine Topfmaschine ist, die macht furchtbaren Krach, rattert und quietscht. Was passiert denn da? Drei Leute stehen an der Maschine, einer befüllt dies Ungetüm mit kleinen schwarzen Töpfen, die Maschine füllt diesen Topf mit Erde und bohrt ein Loch hinein, gerade so groß, dass unsere kleinen festen Ballen da hineinpassen. Jetzt bin ich dran, werde aus der Platte genommen und in den Topf gesetzt, und weiter geht’s auf das Band. Mit einer Art Gabel werden dann immer gleichzeitig 16 von uns genommen und an ihren Platz im Beet gestellt. Dort werden wir noch angegossen, und nun können wir wachsen, die Sonne genießen. Wenn es sehr trocken ist, kommt der Gießwagen, der fährt über uns hinweg und gießt uns richtig schön, denn die Gärtner hier oben haben richtig viel zu tun, und die Fläche ist riesig, da stehen ja nicht nur wir Lavendel. Unsere Nachbarn hier oben sind Kräuter und Steingartenpflanzen, weiter hinten sehe ich die eingebildeten Rittersporne…
Wir wurzeln schnell in die neue Erde hinein, die ist jetzt nährstoffreich, denn wir wollen ja wachsen und schnell kräftig werden. Unter den älteren Stauden erzählt man sich, dass nur die schönen und kräftigen verkauft werden und dann einen schönen Platz im Garten finden; die anderen, die nicht so kräftig sind… hier gehen die Stimmen meist in Geraune über… aber es spricht sich herum, ja, die anderen, die landen auf dem großen Berg, den man von weitem sieht, Kompost nennen sie das, und das ist irgendwie doch der Tod, wenn auch manche Philosophen hier unter uns sagen, es wird dann eben Humus aus uns.
Ich möchte aber erst mal kein Humus werden, sondern in einem schönen Garten wachsen und die Leute erfreuen mit meinem Blütenduft. Also recke ich mich der Sonne entgegen und strecke meine Wurzeln in das Substrat und dann weiter in die Folie, so kann ich auch mal eine kurze Trockenzeit gut überstehen. Das können wir Lavendel gut, mein Gott, im Nachbarbeet schlappen schon wieder die Rittersporne, wenn da nicht gleich der Gießwagen oder ein Regen kommt, dann gute Nacht.
Der Sommer vergeht so, und wir stehen alle gut da, blühen und sind kräftig und schön. Aber keiner holt uns. Komisch. Es werden erst mal die von gegenüber genommen, obwohl ich ja finde, wir sehen ein klein wenig hübscher aus.
An einem Sommertag dann, unsere Blüte ist schon fast vorbei, kommt noch einmal so ein Riesengerät mit drei Leuten. Es macht einen Höllenlärm und Gestank, wird über uns her getragen, und ein scharfes Messer kürzt unsere Blüten und etwas Laub. Supercut heißt das Gerät und stutzt uns, damit wir kompakter wachsen und uns nicht aussäen, denn sonst wären wir bald nicht mehr die  ‚Hidcotes‘  hier im Beet, ihr wisst schon, die begehrten dunkelblauen und kompakten.
Zwei Wochen später, wir treiben schon ein wenig frisch nach, kommt eine Gärtnerin und nimmt die 11 schönsten ,- darunter mich! Wir werden mit anderen Pflanzen noch etwas geputzt, obwohl wir sehr sauber sind, nur ein kleines Unkraut im Topf neben mir, denn die Gärtner sind ja in den Wochen davor immer wieder gekommen und haben bei uns im Quartier Unkraut gejätet.
Neben uns auf dem Wagen, o je, die sehen schlimm aus, wieder die Rittersporne, viel altes Laub, die müssen ordentlich geputzt werden, wir dagegen sind pflegeleicht, auch nachher im Garten.
Kurze Zeit später stehen wir im Verkaufsquartier auf einem Tisch, Seite an Seite mit anderen Lavendel, Liatris und anderen Stauden mit „L“. Einige von denen stehen echt lange auf dem Tisch, so lange, dass sie schon fest dort verwurzelt sind. Ladenhüter nennt man die, aber wir gehören zum Glück nicht dazu.
Am nächsten Tag bleibt eine Frau  vor uns stehen, richtig nett sieht sie aus, sie hat schon ganz viele Stauden in ihrem Einkaufswagen. „Einen Lavendel hätte ich noch gerne“, sagt sie und die Gärtnerin empfiehlt mich, äh, uns… also die Sorte ‚Hidcote Blue‘, und da nimmt sie… nein… sie nimmt die Pflanze neben mir. Ich strahle sie an, ich dufte so gut und habe eine tolle Figur… das muss sie doch sehen! „Drei nehme ich“, sagt sie, und schon bin ich im Einkaufswagen und eine Stunde später in einem sonnigen Beet in einem wunderschönen Garten, hoffentlich mein Zuhause für die nächsten zehn Jahre! Wie schön, und viele Stauden neben mir, Bienen und Schmetterlinge… und dort hinten? Nein.. Rittersporn… wirklich, hat der es auch geschafft… na ja, schön ist er ja auch!
Karola Knopf, Bettina Badstuber

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Auf die Plätze, fertig, los Juni 2016

Die durch die Beete geistern Mai 2016

Das A und O April 2016

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Jetzt wird’s richtig gelb August 2015

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Jetzt kommt er mit Macht. März 2014.

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Es muss nicht immer Lavendel sein. Mai 2013

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