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Aus dem Vollen schöpfen
Mit kritischem Blick haben wir in diesem Frühjahr unsere Schauanlagen gemustert, stehen doch jede Menge Führungen in unserem Terminkalender, und da wollen wir doch auch etwas zeigen können!
Trotz knappster Zeit haben wir uns -mit Unterstützung unserer Praktikantin- darangemacht, die eine oder andere Fläche „aufzuhübschen“…
Berichten wollen wir hier von der Umgestaltung des „Bauerngartenbereichs“.
Das Zentrum unseres Bauerngartensbereichs ist ein sehr hübscher kleiner alter Sandsteinbrunnen, eingefasst von einem üppigen Frauenmantelsaum.
Kieswege ziehen sich hindurch, und es gibt drei Beete, ein großes und zwei kleinere, zwischen denen eine alte Bank vor einer Sandsteinmauer zum Betrachten einlädt. Da sollte es natürlich auch was zu sehen geben!
Vor der Neupflanzung galt es zu entscheiden, was soll bleiben, und was soll raus … Bleiben durften selbstverständlich die wunderbaren Pfingstrosen, die jetzt in voller Blüte stehen ebenso wie der schöne dunkelviolette Salbei (Salvia nemorosa ′Caradonna′). Nur seine unzähligen Sämlinge sollten weichen, damit Platz für Neues entstehen konnte. Geblieben sind auch einige Astern, die niedrige dunkelviolette Sommeraster (Aster amellus ′Veilchenkönigin′), die Kissenaster Zwergenhimmel′ und ein Band aus der niedrigen Raublattaster Purple Dome′.
Ein hübscher, aber farblich doch ein wenig quietschiger Türkenmohn wurde entfernt (und aufgehoben), große, aber kaum noch blühende Schwertlilienhorste verkleinert, und auch der überalterte Horst der eigentlich sehr hübschen Aster ericoides ′Pink Star′ musste weichen, passte er doch nicht mehr in unserer Farbkonzept.
Wir sahen kühle Gelbtöne vor unserem geistigen Auge, zusammen mit Blau und Blauviolett, dazu ein paar Spritzer Silber und eine Matrix aus Magentarot.
Wir wollten auch nicht die ganz klassischen Bauerngartenstauden pflanzen, die mehr Pflege brauchen, als wir leisten können. Trotzdem sollten die Pflanzen zum Thema „Bauerngarten“ passen,
aber vor allem trockenverträglich sein, – dieses trocken- heiße windige Frühjahr war mal wieder eine Mahnung!  Denn wässern wollen wir unsere Anlagen nicht.
Dass die Pfingstrosen mit ihrem tiefgehenden Wurzelwerk Trockenheit vertragen, haben sie mal wieder unter Beweis gestellt.
Momentan sind sie selbstverständlich die Stars im Beet. Aber ihre Blütezeit ist ja nur kurz, danach sollte ein Horst des grünlaubigen Fenchels (Foeniculum vulgare) die Starrolle übernehmen. Eigentlich ein Küchenkraut, ist er auch im Beet ein höchst attraktiver üppiger Doldenblütler.
Ihm wurden zwei Taglilien zugesellt, die wir unter den „Schätzchen“ unserer Chefin fanden, eine zitronengelbe  und reichblütige Sorte mit grünem Schlund und leicht gerüschten Blüten,- Berlin Lemon Crepe′. Als Staude des Jahres sollte die Taglilie unbedingt vertreten sein, außerdem passt sie natürlich prima in einen Bauerngarten.
Genau wie die (kurzlebigen) Nachtviolen (Hesperis matronalis und H. matronalis ′Alba′), von denen wir üppige Solitäre haben, die gleich für Fülle in der Neuanpflanzung sorgen  konnten.
Der dunkelviolette Salbei hat jetzt „Verstärkung“ bekommen durch eine hellgrüngelb blühende Schafgarbe mit graugrünem Laub,- Achillea ′Hymne′. Wir haben sie neu im Sortiment, wollen sie selbst gern einmal ausprobieren und natürlich unseren Kunden Lust drauf machen…
Prima zum Bauerngarten passen auch die Kugeldisteln, die wir bisher auch noch nirgends ausgepflanzt hatten, – hier haben wir die Sorte Veitch’s Blue′ ausgewählt. Als Verkaufspflanze ist sie im kleinen Topf nicht gerade der Hit, dabei ist sie doch eine wunderbare Strukturpflanze im Hochsommer und dazu ein Insektenmagnet.
In einer Staudengärtnerei kann man ja so allerhand finden in den Ecken und Winkeln, und so fanden sich dann auch einige schöne Pflanzen des Hohen Goldbaldrians (Patrinia scabiosifolia).  Wir haben ein Weilchen überlegt, wo wir ihn einsetzten sollten und haben uns dann für den Bauerngartenbereich entschieden.  Hier soll er im Hochsommer mit seinen schwefelgelben Blütendolden als Struktur- und Schleierpflanze dienen.
Als Strukturbildner haben wir auch ein paar Reitgräser eingesetzt. Schon lange wollten wir wissen, was das Besondere an Calamagrostis acutiflora ′Waldenbuch′ sein soll,- jetzt werden wir es herausfinden!
In den beiden kleineren Bauerngartenbeeten steht bereits die panaschierte Sorte Overdam′ des Reitgrases und macht sich dort so gut, dass man die üppigen Horste durchaus einmal verkleinern könnte,- hätte man nur mehr „Manpower“ …
Auch ein anderes Gras wollten wir ausprobieren. Im Hansen-Stahl als „Silbersprudelgras“ des Bauerngartens bezeichnet, fristet Dactylis glomerata ′Variegata′ auf unseren Verkaufstischen ein absolutes Schattendasein. Nun darf es in den Randbereichen – denn es bleibt eher niedrig- zeigen, was ihn ihm steckt!
Weil wir die Sommerastern in Kombination mit Steinquendel (Calamintha nepeta) sehr schön als Einfassungspflanzen finden, haben wir zusätzlich zur Veilchenkönigin auch noch die alte Foerster-Sorte Mira eingesetzt, die auch dunkel ist, aber ein bisschen höher wird.
Das Band aus der dunkelvioletten Raublattaster  ′Purple Dome′ bekam eine Vorpflanzung aus der relativ niedrigen und  hellgrüngelb blühenden Fetthenne (Sedum ′Seduction Green Yellow′), auch die wollten wir gerne mal ausprobieren, passt sie doch auch farblich in unser Konzept und ist durch ihre Höhe prädestiniert als Einfassungspflanze.
Schon lange steht in unserem Bauerngarten ein großer Fleck einer sehr ansprechend aussehenden Katzenminze (Nepeta grandiflora ′Zinser’s Giant′), einer Dreisterne-Sorte in der Sichtung.  Jetzt haben wir einen weiteren Fleck gepflanzt, um das Thema noch einmal aufzunehmen, und zwei Iris tragen die bestechende Farbe des Salbeis  ′Caradonna′  in eine andere Ecke des Beetes.
In den Randbereichen und auch ein bisschen ins Beet hineingezogen haben wir einen der sehr trockenheitsverträglichen Blutstorchschnäbel (Geranium sanguineum) gepflanzt, in diesem Fall die Sorte ′Aviemore′, die uns, frisch getopft, im Produktionsquartier auffiel und die nun ausprobiert wird.
Selbstverständlich haben wir den Boden vor der Neupflanzung gründlich gelockert und mit organischem Dünger angereichert.
Durch den Einsatz von Schnellentwicklern wie Katzenminze und Storchschnabel und einiger Solitärpflanzen,- so fanden sich ganz am Schluss  noch ein paar üppige Mutterkräuter (Tanacetum parthenium)–  wird sich das Beet bereits im Pflanzjahr, wie wir hoffen, gut präsentieren.
Gräser, Goldbaldrian und Kugeldisteln werden in den nächsten Jahren für Charakter und Struktur sorgen.
Etliche unserer Entscheidungen wurden übrigens erst direkt vor Ort, im Beet stehend, getroffen, denn … in einer Gärtnerei können wir natürlich aus dem Vollen schöpfen!
Bettina Badstuber, Karola Knopf

Archiv

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